Pfarrei St. Bartholomäus, Freigericht - Bernbach

Bewohner im Kirchendach

Seit mehr als vierzig Jahren unterstützt die Katholische Kirchengemeinde von Bernbach den Artenschutz im Main-Kinzig-Kreis.

... Denn sie gewährt den Turmbrütern Schleiereule und Turmfalke im Kirchenboden seit Jahrzehnten Brutasyl. Einstmals brütete die schöne Schleiereule alljährlich dort hinter einem Balkenkreuz. Als in den achtziger Jahren Verunreinigungsprobleme mit verwilderten Haustauben auftraten, wurde die Einflugöffnung zum Dachboden geschlossen, aber gleichzeitig installierten Zivildienstleistende unter der Anleitung von Volker Franz zwei Brutkisten in den Gaubenbereichen.

Diese Artenschutzmaßnahme hat sich bewährt. Alljährlich brüten in den beiden Brutkisten Turmfalken und sehr oft Schleiereulen.

Auch in diesem Jahr waren beide Brutkisten belegt.
Am 02.07.2020 beringte der MKK-Eulenschutzinitiator Werner Peter mit Ringen der Vogelwarte Helgoland den sechsköpfigen Turmfalkennachwuchs und in dem anderen Brutkasten lagen 6 Eier von Schleiereulen. Davon konnten am 31.07.2020, etwa im Alter von 6 Wochen, 5 junge Schleiereulen markiert werden.

Dies war in diesem Jahr die einzige Brut im ganzen Freigericht. Eine zweite Brut wird es dieses Jahr nicht geben, da wegen der Trockenheit das Nahrungsangebot (Mäuse) zu gering ist.

 


Insbesondere die Brut der schönen aber lichtscheuen Eule mit dem namensgebenden herzförmigen weißen Gesichtsschleier ist etwas Besonderes, denn die Art ist bundesweit bestandsbedroht und im gesamten Main-Kinzig-Kreis brüteten in diesem Jahr weniger als 25 Brutpaare.

Da Schleiereulen vom ersten Ei an brüten, sitzen die Jungen immer wie Orgelpfeifen im Nest. Sie werden über 10 Wochen von ihren Eltern mit Mäusen versorgt. Dann verlassen sie das Brutquartier und siedeln sich meist im Radius von ca. 50 km um ihren Geburtsort an.


Interessante Ausführungen und Hintergründe von Werner Peter

Als 1976 der Eulenschützer Werner Peter sämtliche Kirchen des heutigen Main-Kinzig-Kreises nach Schleiereulenvorkommen kontrollierte, war die Bernbacher Kirche einer von nur drei Schleiereulen-Brutstandorten im gesamten Kreisgebiet. In Anbetracht dieser drastischen Negativbilanz initiierte er danach das Schleiereulenschutzprogramm im MKK, um die Brutplatzbedingungen für den bestandsbedrohten Kulturfolger im Kreisgebiet zu verbessern, denn viele der Kirchtürme waren vergittert oder mit Brettern zugenagelt.


Das Bernbacher Schleiereulenpaar brütete damals hinter einem Balkenkreuz im Kirchendachboden. Wegen Verunreinigungsprobleme durch verwilderte Haustauben wurden in den achtziger Jahren die Einflugöffnungen zum Dachboden geschlossen. Aber gleichzeitig installierten Zivildienstleistenden unter der fachlichen Anleitung des Schreiners Volker Franz zwei geräumigen Nisthilfen im Raummaß von 100 x 70 x 50 cm. Sie wurden direkt hinter den Einfluglöchern angebracht, so dass keinerlei Verunreinigungen im Turminneren stattfinden können. Pfarrer und Kirchenvorstand stimmten damals diesem Artenschutzanliegen unbürokratisch und sofort zu.


Gleich im ersten Jahr wurden beide Kästen von den tagaktiven Turmfalken und den Nachtjägern Schleiereule als Brutquartier angenommen. Seitdem werden im Bernbacher Kirchendachboden fast alljährlich Junge flügge. Mehr als 150 Turmfalkenjunge und über 200 Schleiereulenjunge dürften dort über den Dächern von Bernbach zwischenzeitlich das Licht der Welt erblickt haben. Darunter war auch eine Turmfalkenbrut mit 8 Jungen; das bisherige Maximum im Kreis. Um wissenschaftliche Erkenntnisse über den weiteren Lebensweg der Jungen zu erhalten (Wanderung, Ansiedlung, Lebensalter, Todesursache, ect.) wird der Turmbrüternachwuchs von Bernbach alljährlich mit Ringen der Vogelwarte Helgoland versehen.


Schleiereulen sind im Gegensatz zum weit häufigeren Turmfalken bundesweit in ihrem Bestand bedroht und gelten immer noch als extrem gefährdete Eulenart. Auch im Kreisgebiet werden seit Jahren nur weniger als dreißig Brutpaare gezählt.

Die schöne lichtscheue Eule mit dem namensgebenden herzförmigen weißen Gesichtsschleier ernährt sich zu über 90 % von Mäusen und passt ihre jährliche Nachwuchsrate immer der jeweiligen Situation dieser Kleinsäuger an, die einem Zyklus unterliegen. Gib es nur wenige Mäuse, so verzichtet sie auf eine Brut; gibt es hingegen viele, so können bis zu 10 Junge großgezogen werden und manchmal gibt es sogar Zweitbruten.

Dann sitzen die jungen Schleiereulen wie Orgelpfeifen im Nest, denn es wird vom ersten Ei an gebrütet, weshalb die Jungen unterschiedlich groß sind und einen enormen Altersunterschied haben. Die Brutzeit des goldgelben Vogels mit der rahmfarbenen Unterseite beträgt 31 Tage und erst nach weiteren zwei Monaten fliegen die Jungen aus.


Nur wenige Bernbacher Bürger werden die taubengroße Eule jemals zu Gesicht bekommen haben, denn sie verlässt erst bei völliger Dunkelheit ihr Tagesquartier. Außerdem fliegt sie total lautlos, was ihrer Fähigkeit der nächtlichen Mäusejagd zugutekommt. Nur zur Balzzeit verrät sie ihre Anwesenheit, denn dann ertönt ihr nächtlicher Kontaktlaut, der mit dem Schnarchen eines Menschen verwechselt werden kann.

Junge Schleiereulen verlassen nach rund zehn Wochen das Kirchturmasyl und siedeln sich dann meist im Radius von weniger als 50 km an anderen Brutstellen an. Ohne die geschaffenen Brutmöglichkeiten in Kirchtürmen wäre es um ihre Zukunftsaussichten noch schlechter bestellt.


Herzlichen Dank an Werner Peter für sein Engagement und für diesen schönen Bericht



aufgenommen am 22.08.2019 
aufgenommen am 22.08.2019
aufgenommen am 21.05.2019
aufgenommen am 21.05.2019
 

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