Weihnachten 2018 - St. Bartholomäus Freigericht - Bernbach

Weihnachtsgrußwort 2018 von Pfarrer Kasaija

Angst um die Zukunft der Kirche - und Hoffnung

Liebe Gemeindemitglieder!


„..., wenn nichts bleibt, wie es war“ – unter diesem Titel veröffentlichte vor einigen Jahren ein Theologe (Rainer Bucher) sein Buch über die Situation der Kirche heute (Echter Verlag 2012). Im Zusammenhang mit dem, was wir in Kirche und Gemeinden erleben, hat dieser Satz etwas Bedrückendes und Negatives.


Was erleben wir in unserer Zeit? Die Kirche wird immer kleiner! Wir haben Rekord-Austrittszahlen zu beklagen. Und parallel dazu gehen immer mehr Pfarrer, aber auch pastorale Mitarbeiter, in den Ruhestand – und es kommt sehr wenig nach. Da kann man als Pfarrer, als pastoraler Mitarbeiter, als ehrenamtlich Engagierter schon mal ins Grübeln kommen: Wie soll das weitergehen? Wohin wird das führen? Wie wird unsere Kirche in zehn, zwanzig Jahren dastehen?


Eine mögliche Reaktion ist es, wie gebannt auf das Problem zu starren und in eine Depression zu verfallen. „Das bringt doch alles eh nix mehr. In ein paar Jahren sperren wir hier zu.“ Dies ist seit einiger Zeit das vorherrschende Gefühl in der Kirche.

Ist die Kirche noch zu retten? So fragt Hans Küng in seinem Buch über die Kirche und ihren Zustand (Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? Piper Verlag, München 2011). Er fasst zusammen, wie Menschen in den Gemeinden auf diesen Umbruch und all das, was diesen Umbruch bewirkt hat, reagieren: „Menschen treten aus der Kirche aus, zuletzt zu Tausenden aufgrund der aufgedeckten Skandale oder sie bleiben zwar in der Kirche, aber engagieren sich nicht mehr: ´Ist doch alles umsonst, dieses System lässt sich nicht reformieren!´ Andere wiederum passen sich äußerlich den kirchlichen Gegebenheiten an, obwohl sie privat ganz anders denken“.


Küng konstatiert: „Natürlich gibt es ein Leiden an der Kirche und auch mit ihr. Es gibt ein Leiden an den kirchlichen Strukturen, ein Leiden an den Verantwortlichen und an den Entscheidungen, die sie treffen... Das lässt resignieren. Oder es lässt nach eigenen Wegen suchen, um in diesem System überleben zu können. Denn einfach weglaufen, Verlorenem nachtrauern und nur noch jammern, das geht nicht. Das gilt nicht.“


Es gibt ja noch andere Möglichkeiten, auf den Umbruch in der Kirche zu reagieren, meint Küng: Man kann sich – unbekümmert um Papst und Bischof – auf Gemeindeebene engagieren und sich mit dem Seelsorger und der Gemeinde, den Menschen vor Ort, identifizieren oder Aufgaben des fehlenden Pfarrers übernehmen, wie es engagierte Männer und Frauen immer häufiger tun.


Das klingt provozierend. Doch in diesen Worten liegt ein Gebot der Stunde – gerade im Hinblick auf den Umbruch, den wir in unseren Gemeinden erleben (werden). Dieses Gebot heißt: sich mit dem Glauben und der konkreten Gemeinde identifizieren und engagieren. Wir müssen zugeben, dass uns nicht nur Strukturen und „das System“, sondern auch eigene Ängste und eigenes Unvermögen lähmen. In der Tat gibt es ja in den Reihen der Gläubigen nicht wenige, die sich einer Veränderung in der Kirche am Liebsten entziehen würden und stattdessen lieber nur zurückblicken. Das Ergebnis ist eine pastorale Depression, ein innerkirchlicher Frust, der der Kirche Ihre Überzeugungskraft nimmt.


Liebe Gemeindemitglieder!

Eine Kirche die nicht freudig und überzeugend auf alle zugeht, hat keine Mission, hat keine Zukunft; sie verliert ihr Warum und Wozu. Wir brauchen keine Verkündiger der Hoffnungslosigkeit, sondern der frohen Botschaft. Im Geleitwort zu den Beschlüssen der Würzburger Synode hielt Kardinal Döpfner fest: „Das Wagnis hat sich gelohnt. Nicht die Pessimisten haben Recht behalten, sondern jene, die auf das offene, wenn nötig auch harte Gespräch vertraut haben. Das aufeinander Zugehen und das miteinander Reden, gegenseitiges sich Verstehen und Wachsen im gemeinschaftlichen Beten und Glauben haben dazu geführt, dass wir vieles gemeinsam sagen und formulieren konnten – mehr als mancher außerhalb und innerhalb des Würzburger Doms uns zutraute. Die Synodenbeschlüsse sind ein Zeugnis dafür.“


Liebe Gemeindemitglieder!

Keine Frage, unsere Kirche befindet sich im Umbruch. Was bislang als sicher geglaubt wurde, wird in seinen Grundfesten erschüttert. Die Zeit der Volkskirche ist endgültig vorbei. Viele gemeindliche Strukturen fallen auseinander. Und die Menschen in den Gemeinden reagieren verunsichert, irritiert und haltlos. Aber wir können uns dem Prozess des Wandels nicht entziehen. Wir können uns nicht verschließen vor dem, was neu entstehen will und muss. Wir können die Augen nicht verschlossen halten und auch die Türen nicht und auch nicht die Fenster, die das Zweite Vatikanische Konzil vor über 50 Jahren aufgestoßen hat. Das gilt für jeden Christen, ob Amtsträger oder nicht. Wohin die Reise geht, wissen wir im Einzelnen nicht. Aber ich bin überzeugt, dass die Zukunft der Kirche auch heute nur aus der Kraft derer kommen wird, die tiefe Wurzeln haben und aus der reinen Fülle ihres Glaubens leben. Sie wird nicht von denen kommen, die nur Rezepte machen. Sie wird auch nicht von denen kommen, die sich nur dem jeweiligen Augenblick anpassen. Sie wird nicht von denen kommen, die nur andere kritisieren, aber sich selbst als unfehlbaren Maßstab annehmen. Sie wird also auch nicht von denen kommen, die nur den bequemen Weg wählen.


Wie auch immer sich die kirchlichen Verhältnisse entwickeln werden: Entscheidend bleibt, was Jesus Christus existenziell für uns bedeutet. Entscheidend bleibt, ob wir tatsächlich an ihn glauben und auf ihn setzen. Nur dann haben wir auch die Kraft und den Mut, für das Kommende entschieden Vorsorge zu treffen. Denn „auf das, was man voraussehen kann, sollte man sich doch rechtzeitig vorbereiten und nicht weitermachen wie bisher und abwarten wie eine Maus, die, von der Schlange der Zukunft hypnotisiert, gar nichts zu ihrer Rettung tut“, wie Karl Rahner einmal sagte.

Ja, aus der Krise von heute wird eine Kirche von morgen hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von vorne anfangen müssen. Sie wird viele der Bauten nicht mehr füllen können, die in der Hochkonjunktur geschaffen wurden. Sie wird mit der Zahl der Anhänger viele ihrer Privilegien in der Gesellschaft verlieren (Joseph Ratzinger, „Glaube und Zukunft“, (Kösel Verlag 1970).


Liebe Gemeindemitglieder!

Wir sind als Kirche gefragt, wir alle: hier in dieser Kirchengemeinde, unter diesen Menschen. Genau in diese Zeit mit diesen

Herausforderungen hat uns Gott gemeinsam hineingestellt, es ist seine Zeit und wir bleiben seine Kirche. Hier sollen wir Auskunft geben von unserer Hoffnung. Zentral wird in diesem Fall sein, dass man sich nicht von der Logik des „Damals“, auch nicht des „Noch“ oder des „Nicht-mehr“ zu sehr in Bann ziehen lässt. Ohne die realen Verlusterfahrungen totzuschweigen oder die Kritik, ob berechtigt oder unberechtigt, zu ignorieren, sollte man, vor allem im Gottesdienst und bei jeglicher Art der Verkündigung, fröhlich und frei die biblische Botschaft vertreten. Ganz selbstverständlich darf man mit einem gewissen Gottvertrauen davon ausgehen, dass es auch in Zukunft an vielen Orten ein reges christliches Leben geben wird und dies auch in die Gesellschaft ausstrahlen wird – wenn auch auf einem niedrigeren Niveau. Alle Fakten sprechen dafür (vgl. Herder Korrespondenz, September 2018, 5).


In dieser Hoffnung und Zuversicht dass es weitergeht, wünsche ich Ihnen und Euch allen eine gesegnete Adventszeit, ein frohes und friedliches Weihnachtsfest und Gottes Segen für unsere gemeinsame Zukunft, der ich voller Zuversicht entgegenblicken will, in dem festen Glauben, dass, wo immer wir uns in seinem Namen versammeln und umeinander als Gemeinde und Kirche bemühen werden, er mitten unter uns sein und auch bleiben wird.


Euer/Ihr Pfr. Patrick Kasaija


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